AngelikaHerker


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„Lichtspiele – Wasserspiele“

Kompressorenhalle — Kokerei Hansa Dortmund

Kann man sich größere Gegensätze vorstellen: Das Weiche und das Harte, die Farbe und die Nicht-Farbe, das Transparente und das Undurchdringliche, das Offene und das Geschlossene, das Licht und die Dunkelheit.

Diese Spannung ereignet sich, wenn die Werke von Angelika Herker in einer historischen Industriearchitektur des Ruhrgebiets präsentiert werden. Diese Spannung ereignet sich gleichsam wie von selbst, aber zugleich ist sie Ergebnis einer höchst kunstvollen Inszenierung.

Die Kompressorenhalle der ehemaligen Kokerei Hansa ist dabei mehr als nur die pittoreske Kulisse ihrer Kunst. Vielmehr ist sie ein Mit- und Gegenspieler. Sie ist Gegenspieler, weil sie unvermeidlich ein historisches Zeugnis der absoluten Zweckrationalität ist: Industriearchitektur. Sie ist Mitspieler, weil sie ein Vergangenes ist und die Zweckrationalität keine Rolle mehr spielt und somit der Blick frei wird auf die ästhetische Faszination der industriellen Strukturen, Materialien und Objekte. 

Angelika Herker setzt diesen Eindrücken nun eine spielerische Komponente entgegen. Das Lichtspiel geschieht nahezu ohne ihr Zutun und das Wasserspiel ereignet sich nur im Modus des „als ob“, – ein durchaus wichtiges Kriterium für „Spiel“ und zugleich für „Kunst“.  Der spielerisch-provisorische Charakter ist in erster Linie dem Material geschuldet. 

Das Papier ist vergänglich, weich und biegsam, ohne Kraftanstrengung auch plastisch als Relief collageartig bearbeitbar und farbig zu akzentuieren. Es ist nicht nur dem Augensinn zugänglich sondern zugleich auch dem Tastsinn.

Das Acrylglas dagegen hat eine ganz andere Anmutung. Es ist perfekt, unnahbar und immateriell in seiner Erscheinung. Ist es zudem noch farbig und fluoreszierend, so entschwindet es vollkommen einer haptischen Greifbarkeit. Es wird inszenatorisch zu einem bloßen Medium für das Licht, das so eine Gestalt bekommt, die den Raum schwingend durchmisst, die Formen der Industrie aufgreift und diese schließlich ins rein Ästhetische verwandelt.

Das „Natürliche“ erscheint bei Angelika Herker gerade angesichts der Industriekulisse im Modus des Künstlichen während das „Künstliche“ der industriellen Artefakte angesichts der künstlerischen Installation durchaus als das „Natürliche“ sich zu offenbaren vermag.

Prof. Ferdinand Ullrich  Kunsthalle Recklinghausen  2009

(Katalog Angelika Herker Lichtspiele-Wasserspiele Kokerei Hansa)

14. Mai 2009 in